Samstag, 13. Dezember 2008

Belfast, Dublin und dazwischen

Nachdem ich mich dazu entschieden hatte Dienstagabend aus diversen Gründen (London) nicht wegzugehen, hatte ich auch noch den gesamten Mittwoch nichts zu tun. Donnerstag wurde ich dann mit Kommilitonen nach Coventry kutschiert um das Laboratory in Wave Power zu absolvieren. War ganz witzig, so mit großem Wassertank und Wellen erzeugen und messen und so. Die Auswertung erfolgte dann Freitag und Sonntag. Gas geben musste ich insofern, dass die Deadline der 12.12.08 war, ich ja allerdings vorhatte Belfast und Dublin zu bereisen.

Zunächst hieß es allerdings 4am aufzustehen, weil der Flieger 6.30 losflug. 7:30 in Belfast gelandet, durften wir nen herrlichen, nahezu wolkenlosen Sonnenaufgang bei geschätzten -2°C beobachten.

Da ja bis vor nicht allzulanger Zeit noch Unruhen zwischen Protestanten und Katholiken herrschten, konnte man dementsprechend auch noch Übereste der "Schutz"maßnahmen erkennen. Dies äußerste sich darin, das alle Häuser im Abstand von 500m zur Grenze mit  schwedischen Gardinen verziert und größere Gebäude mit Stacheldraht umzäunt waren.

Die Stadt war allerdings nicht sehr groß und bereits gegen 13 Uhr nahezu vollständig erforscht. Also wurde die restliche Zeit damit verbracht Handschuhe in Einkaufszentren liegenzulassen. Glücklicherweise lagen die noch dort wo ich sie vermutete...

In der Dunkelheit angekommen und wieder losgeflogen erreichten wir gegen 19 Uhr wieder unser "zu Hause" in Lufbra, wo natürlich zur Farewell Party aufgerufen wurde. Da sich meine Augen seit früh um 8 nicht wirklich von allein offen halten wollten, hatte ich schon fast den Entschluss gefasst, dem nicht beizuwohnen. Nach 1.5l Whiskey Cola hatte ich mich schnell von dieser Einstellung verabschiedet und wohnte dem wilden Karaoke Gegröhle bei, was in deutschem Porno-Karaoke gipfelte. Anschließend gings dann ins Vice Versa um noch 2 finale Bier zu nehmen und gegen 3am rausgekehrt zu werden. Gegen meinen am frühen Abend getätigten Entschluss, definitiv nicht nach Hause zu laufen, bin ich dann nach Hause gelaufen und war gegen 5am im Bett. Vor 2 Tagen durfte ich dann 20 Bilder in unglaublichen Posen und Gesichtskrämpfen von mir begutachten, an deren Aufnahme ich mich natürlich nicht erinnern konnte. Fazit: 25 Stunden wach fetzt.

Sonntag wurde dann Fußball gespielt, für Falk Egg, und abends gings ins Kino zu Tropical Thunder. War ganz witzig.

Montag 11am ging es dann los nach Dublin. 13 Uhr gestartet, empfing uns Adam gegen 14.30, wonach man erstmal eine gefühlte Stunde ins Stadtzentrum fuhr. 

Wir wurden, nach einem kleinen Einkauf für 40€, gut mit Spaghetti Bolognese versorgt. Anschließend gings in die John Jameson Whiskey Distillery, wo ich einiges über Whiskey gelernt habe. Abendgestaltung hieß dann twentyone und war, aufgrund von völlig betrunkenen Personen 20 min nachdem der Club geöffnet hatte, sehr amüsant. Gegen 2.30 bestellen wir uns dann ein Taxi nach Hause, während 2m neben uns einige Szenen aus Fight Club nachgestellt worden. Der Grund für die Auseinandersetzung war wohl, dass "der Eine dem Anderen die Krawatte weggenommen hat". Hae. Völlig nachvollziehbar. Mit Gedanken an blutige Nasen und Unterlippen glitt ich anschließend in den Schlaf. Dienstag hatte sich Adam eine Stadttour vorgenommen in der wir, unterstützt vom angenehmen Wetter (bis auf die ekelhafte Kälte), auch gute Bilder machen konnten. Abends war dann Erasmus Weihnachtsparty mit kostemlosen Fingerfood. Was macht man da? Man setzt sich zu Dritt vor den Speiseaufzug, fragt ob die den 40" LCD-TV mal anschalten können (war ja CL) und bestellt sich 3 Gerstensäfte. Quasi an der Quelle. 2 Stunden später haben wir das Essen dann direkt weitergereicht, weil satt.

Mittwoch war ich in der Guiness Brauerei und muss sagen, das mir Guiness nich wirklich schmeckt. Naja, vielleicht Gewöhnungssache. Abends hatte Adam dann ein Fußballturnier, an dem ich kurzfristig teilnahm. Guter Zweiter geworden.

Donnerstag wurde eigentlich nur noch gefaulenzt und nach 16.30 der Norden für einen halbe Stunde besichtigt, ehe wir dann zum Flughafen aufbrachen und 22 Uhr in Nottingham landeten.

Freitag war dann die letzte FND-Nacht (Freitagsparty in der Union), was inoffiziell der Verabschiedung von mir und den Fußballern galt. Da habe ich mir dann ein paar Sachen erzählen lassen, die wohl jeder gerne hört...

Von den 3 Trainern bin ich zum Spieler der Saison gewählt worden (aufgrund der Spiele als auch der Trainingseinheiten), die haben wegen mir die Formation geändert, ich war der Erste bei dem feststand dass er für Falk Egg spielt (auch meinem grandiosen Tor bei den Trials geschuldet, an dass ich mich erst gar nicht mehr erinnern konnte), ich hätte ohne Probleme in der Unimannschaft spielen können, ich hab wohl 'an amazing attitude' und sie werden mich alle vermissen

Tja, was soll man da schon sagen. Ich war schon gerührt und bin recht sentimental geworden - der endgültige Abschied rückt ja auch näher.

Jedenfalls war die Party dann um 3 zu Ende, ich aber erst um 4 im Bett, kein Plan warum.

Montag heißt es dann endlich wieder Hallo Heimat, aber erstmal gehts jetzt in den Pub.

Dienstag, 2. Dezember 2008

LONDON - unvergesslich


um die ÜBERschrift zu UNTERmauern, hier gleich mal ein paar Eckdaten, warum uns dieser Londontrip in Erinnerung bleibt.

-Samstag 13 Uhr bis Dienstag 17 Uhr, davon 9+13+13+6,5 =42,5 Stunden unterwegs

-laut Ronnys Schrittzähler (nicht GPS basiert, zählt wirklich Schritte) sind wir 61,8km (93006 Schritte)  gelaufen - ganz genau kann man die Zahl freilich nicht nehmen, aber ich denke es kommt dieser Größenordnung nahe

-780 Fotos

-ich habe im Schnitt 2 Stunden pro Nacht geschlafen

-ich war das erste Mal in einem Musical

-ich war das erste Mal beim Japaner und musste mit Stäbchen essen (Handkrampf war vorprogrammiert)

-sehr angenehmer Reisebegleiter namens Ronny

Bevor ich hier jeden einzelnen Tagesablauf niederschreibe, beschränke ich mich auf zusammenfassende Wichtigkeiten.

Unterkunft:

Da muss ich gleich wieder bisschen ausholen.

Meininger Youth Hostels nannte sich das Etablissement. Wir hatten uns, aufgrund unserer eingeschränkten finanziellen Mittel als Studenten, in ein 7-Doppelstockbetten Zimmer eingemietet. Darin befanden sich ebensoviele Spinde,  2 Bad/Toilettenkombinationen und 2 Klimaanlagen, mit denen man sicherlich eine offenstehende, mittelgroße Industrie-/Lagerhalle in den Vereinigten Arabischen Emiraten mittags um 13 Uhr auf angenehme -5°C hätte klimatisieren können. Naja, überdimensioniert, aber besser als nüscht.

Als wir dann Samstag- und Sonntagabend gegen 22:30 auf unser Zimmer kamen, dachten wir zuerst an den Gärtner, der gerade das restliche Laub vom Hof bläst. Diese Idee wurde schnell wieder zerschlagen, denn in unserem Zimmer steht gar kein Baum, jedenfalls keiner der Blätter verliert, glaub ich. War die Klimaanlage. Ich weiß nich warum, aber die Dinger waren extrem laut. Da dacht ich mir schon - da kannste niemals schlafen. Nichtsdestotrotz wählte ich erstmal das obere Bett, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte, da mein Untermann meine und ich jede seiner Bewegungen im Aluminiumgestell relativ gut nachvollziehen konnte. Glücklicherweise ging die Klimaanlage dann gegen Mitternacht aus. Aber irgendwie wars trotzdem noch warm und ich aufgekratzt, also fiel es schwer einzuschlafen. Als ich es dann, wahrscheinlich gegen 2 Uhr, geschafft hatte, wurde ich vom Fönorchester erneut geweckt. Um 3 Uhr! Na klar, mache Wind! Das ging dann wohl bis 5 und dann war die Nacht auch schon vorbei. Die nächste Nacht verlief genauso, daran konnte auch der Anblick der 3 hübschen Italienerinnen bzw. die Uraufführung von ich-räum-meinen-Koffer-mal-nachts-um-2-in-den-Schrank eines weiteren Hostelgastes nichts ändern. Naja. Schlaf wird sowieso total überbewertet. Jedenfalls musste wir um 10 aus-, konnten aber erst 15 Uhr wieder einchecken. Riesensystem. Also gegen 16 Uhr wieder im Hostel aufgeschlagen, neu eingecheckt. Ins neue Zimmer (juhu, 2 Stockwerke weniger). Da saß dann ein Asiate. Der hat sein Ding gemacht, kaum geredet und leise, sehr in Ordnung. Alle anderen Betten waren frei. Ronny und ich entschieden uns für jeweils das untere Bett. Seltsamerweise stand zwischen uns ein weiteres Bett im Abstand von 20cm zum jeweilig Anderen, aber hey, wenn sonst nichts zwischen uns steht...

Warum Ronny auf diesem Bild unter dem Bett sitzt? Dazu komme ich gleich.

Jedenfalls sind wir ja erstma in der Stadt beim Japaner und im Palace Theatre gewesen um gegen 23:00 in unserem Zimmer aufzuschlagen. Erfreulich war, dass vorhin genannte Italienerinnen auch das Zimmer gewechselt hatten. Sehr vorbildlich. Ansonsten war noch niemand Neues hinzugekommen. 'Sehr fein', dachte ich mir und sprang voller Elan Richtung Dusche/Bad Kombination. Springen ist sehr wohl etwas übertrieben, musste ich ja nur eine Distanz von 85cm überwinden. Aber ich freute mich schon auf die bevorstehend angenehme Nachtruhe, wie ich auch mehrfach tagsüber bereits erwähnte.

Nach ausgiebigem Gedusche riss ich die Badtür auf. Jedenfalls versuchte ich das. Ging etwas schwer. Irgendetwas hatte die Badtür blockiert. Aso, war n Reisekoffer. Klar, stellt man vor die Badtür, damit er nich im Weg steht. Naja, also schlenderte ich dann die 85cm zurück zu meinem Spind und.... hä? Wer isn das? Da sitzen doch geschätzte 108 Jahre Lebenserfahrung aufm Bett. Nicht auf meinem, nicht auf Ronnys, nein - in der Mitte. Fand ich komisch, war gleich bisschen perplex. Da dacht ich, machste dem alten Leder ma klar, dass das vielleicht ein Bisschen nah is. Ich mich also ins Bett geschmissen. Er liegt in aller Ruhe aufm Bett, Körper zu mir gedreht. Geschätzte Distanz von meinem zu seinem Gesicht: 30cm. Ich war mir jetzt nicht sicher ob er mir ne Gute-Nacht Geschichte á la 'ich bin dein Großvater' vorlesen wollte, oder es nicht gerafft hat, dass er mir n bisschen zu sehr auf die Pelle rückt. Also lag ich da erstmal, Beine zusammengekniffen, Fäuste geballt, bereit jeden Angriff abzuwehren. Als mich dann aber nach 5 Minuten ernsthafte Zweifel an meiner lang ersehnten Nachtruhe überkamen, bot ich Opi kurzerhand mein Bett an, sagte dass ich 'den Anderen' da drüben kenne und ohne Probleme zurück in den zweiten Stock umziehen könnte. Rübezahl Senior meinte dann aber in zerbrochenem Englisch, dass er sich den Kopp im Erdgeschoss von Etagenbetten immer anhaun würde. Klar, dacht ich mir, hast also schon öfter in so nem Ding geschlafen. Er ergänzte, dass er wohl sein Gepäck 'dort drüben' hatte, ihm aber jemand sein Bett weggenommen hatte. Nach 2 Minuten Bedenkzeit und die Frage ob ich wohl Italiener wäre, hatte dann auch mein Kopf die Sinnfreiheit dieser Aussage erfasst, da dass Bett 'dort drüben' ja auch ein Doppelstockbett war. Weiterhin konnte ich erkennen, das ein einzelner Zahn stolz in seinem leicht hervorstehenden, an den Seiten mit Leder überzogenen Unterkiefer prangte. Der Greis schloß das Gespräch mit der Feststellung, dass es doch wohl recht eng hier drin sei mit den Betten und so und einem Grinsen ab, was meinen Gemütszustand nicht unbedingt verbesserte. 'Gute Nacht' dachte ich so bei mir, musste aber zeitgleich einsehen, das dem wohl nicht so sein wird.

Es tat sich ein Licht auf am Horizont, als sich Tausendschön, mit Handtuch, Zahnbürste, Mundwasser und dem letzten ihm verbliebenen Zahn, bewaffnete, gen Ausgang schlenderte und mehrere Stunden fortblieb. Ich wusste, dass war meine Chance. Wenn ich die Zeit nutze um einzuschlafen, wird das wohl ne gruselige, aber ruhige Nacht. Also kurze Unterhaltung mit Italien geführt, wer das is und warum er so aussieht und dann Augen zu und durch. Es wird wohl gegen 1 Uhr gewesen sein als die Zahnfee wieder das Zimmer betrat. Was war bei Tobi los? Er dachte: "Scheiße!". Ich hatte es natürlich nicht geschafft in 1.5 Stunden einzuschlafen. Und jetzt sollte die Nacht erst losgehen, denn irgendwas schien ihn wach zu halten. Das folgende ist nicht übertrieben! Opi legte sich nach 15 Minuten Taschengeraschel ins Bett und wechselte fortan aller 20(!!!) Sekunden seine Schlafposition. 10 cm von meinem Bett enfernt. Ich konnte mit wachem Auge eine der unzähligen Schlaf, Sitz- und Knieposition im, am und um das Bett erkennen. Beine unterm Bett und Kopf auf Arm auf Bett, wie von Ronny auf dem Foto hervorragend dargestellt. Die verschiedenen Liegepositionen wurden von Altershusten, aus dem Fenster schauen, Bett verschieben, Bad benutzen, in der Tasche kramen, zum Schrank laufen, anziehen, Schrank aufschließen, Dinge einsortieren, Schrank zuschließen, ausziehen und Anderem regelmäßig unterbrochen. So kam ich in den "Genuss" eines regelmäßigen, jedoch keinesfalls hermonischen Geräuschpegels der wohl gegen 5 Uhr (ja, nach 4 Stunden) seinem Höhepunkt näher kam. Erst raschelte er gemütlich 2 Minuten lang mit einem Beutel, mit dem man das keinesfalls tun sollte, um anschließend zu duschen. Nach dem Duschen ließ er die Batür auf. Das Licht schien Ronny mehrere Minuten lang genau ins Gesicht, schien ihn allerdings nicht zu interessieren. Als der Duschvorgang abgeschlossen, ging die ganze Chose wieder von vorn los. Ich lag mit geballter Faust und voller Wut im Bett, kurz davor den Wahnsinnigen anzuschreien und niederzustrecken. In diesem Gemütszustand war es dann auch relativ schwierig für mich Nachtruhe und Puls zu finden. Anscheinend hatte Väterchen die infrarote Strahlung, ausgehend von meinem Bett, bemerkt, und bewaffnete sich wieder mit bereits genannten Gegenständen und verließ das Zimmer. Glücklicherweise habe ich ihn danach nicht wiedergesehen und konnte endlich schlafen- wenigstens noch 3 Stunden...

Das All-U-Can-Eat Frühstück für jeweils 3Pfund war allerdings in Ordnung, weil es kontinentales Frühstück gab, das heißt mit Brötchen und Wurst. Haben wir uns natürlich ordentlich den Bauch vollgeschlagen und dann im Großen und Ganzen nur noch mal was gegen 16 Uhr gegessen, weil London ja ziemlich teuer ist ;)

Routen:

Samstag

Natural History Museum, National Geographic, Stadtteil Soho, Trafalgar Square, Big Ben und Houses of Parliament, Westminster Abbey

Sonntag

Royal Albert Hall, Albert Memorial, Hyde Park, Speakers Corner, British Museum, Trafalgar Square, National Portrait Gallery, Big Ben und Houses of Parliament, Westminster Abbey

Montag

Buckingham Palace, Queen Victoria Memorial, Wellington Arch, London Eye, Southwark Cathedral, Tower Bridge, Tower, Bank of England, südlicher Stadtteil Barbican, St. Pauls Cathedral, Science Museum, Palace Theatre

Dienstag

Natural History Museum, Harrods, British Library

Zum Musical muss ich noch ein paar Worte verlieren. Ich war ja zunächst sehr skeptisch. Musical/Theater - das ist nicht dein Ding. Zumal die Preise auf den besten Plätzen 60 Pfund kosten. Glücklicherweise hatte Ronny aber einen Gutschein, 2 zum Preis für Einen, welchen wir dann allerdings doch nicht gebraucht haben, da es jede Menge Ticket Offices gibt, die nahezu halbierte Preise für die Vorstellungen haben. Also haben wir uns dann jeder die 6. Reihe im Ground Floor für je 35 Pfund gegönnt. Ganz wohl war mir nicht dabei, aber wie sich später herausstellen sollte, war es das Geld wirklich wert. Das Musical hieß Spamalot, geschrieben von Monty Pythons und enthielt auch zahlreiche Elemente aus Ritter der Kokosnuß und dem Leben des Brian. War wirklich extrem witzig und ich hab fast alles verstanden.  Jederzeit wieder!

Ich hab fast ausschließlich Bilder von Gebäuden oder Ähnlichem gemacht, also werd ich es mir an dieser Stelle verkneifen noch mehr Bilder hochzuladen.