
um die ÜBERschrift zu UNTERmauern, hier gleich mal ein paar Eckdaten, warum uns dieser Londontrip in Erinnerung bleibt.
-Samstag 13 Uhr bis Dienstag 17 Uhr, davon 9+13+13+6,5 =42,5 Stunden unterwegs
-laut Ronnys Schrittzähler (nicht GPS basiert, zählt wirklich Schritte) sind wir 61,8km (93006 Schritte) gelaufen - ganz genau kann man die Zahl freilich nicht nehmen, aber ich denke es kommt dieser Größenordnung nahe
-780 Fotos
-ich habe im Schnitt 2 Stunden pro Nacht geschlafen
-ich war das erste Mal in einem Musical
-ich war das erste Mal beim Japaner und musste mit Stäbchen essen (Handkrampf war vorprogrammiert)
-sehr angenehmer Reisebegleiter namens Ronny
Bevor ich hier jeden einzelnen Tagesablauf niederschreibe, beschränke ich mich auf zusammenfassende Wichtigkeiten.
Unterkunft:
Da muss ich gleich wieder bisschen ausholen.
Meininger Youth Hostels nannte sich das Etablissement. Wir hatten uns, aufgrund unserer eingeschränkten finanziellen Mittel als Studenten, in ein 7-Doppelstockbetten Zimmer eingemietet. Darin befanden sich ebensoviele Spinde, 2 Bad/Toilettenkombinationen und 2 Klimaanlagen, mit denen man sicherlich eine offenstehende, mittelgroße Industrie-/Lagerhalle in den Vereinigten Arabischen Emiraten mittags um 13 Uhr auf angenehme -5°C hätte klimatisieren können. Naja, überdimensioniert, aber besser als nüscht.
Als wir dann Samstag- und Sonntagabend gegen 22:30 auf unser Zimmer kamen, dachten wir zuerst an den Gärtner, der gerade das restliche Laub vom Hof bläst. Diese Idee wurde schnell wieder zerschlagen, denn in unserem Zimmer steht gar kein Baum, jedenfalls keiner der Blätter verliert, glaub ich. War die Klimaanlage. Ich weiß nich warum, aber die Dinger waren extrem laut. Da dacht ich mir schon - da kannste niemals schlafen. Nichtsdestotrotz wählte ich erstmal das obere Bett, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte, da mein Untermann meine und ich jede seiner Bewegungen im Aluminiumgestell relativ gut nachvollziehen konnte. Glücklicherweise ging die Klimaanlage dann gegen Mitternacht aus. Aber irgendwie wars trotzdem noch warm und ich aufgekratzt, also fiel es schwer einzuschlafen. Als ich es dann, wahrscheinlich gegen 2 Uhr, geschafft hatte, wurde ich vom Fönorchester erneut geweckt. Um 3 Uhr! Na klar, mache Wind! Das ging dann wohl bis 5 und dann war die Nacht auch schon vorbei. Die nächste Nacht verlief genauso, daran konnte auch der Anblick der 3 hübschen Italienerinnen bzw. die Uraufführung von ich-räum-meinen-Koffer-mal-nachts-um-2-in-den-Schrank eines weiteren Hostelgastes nichts ändern. Naja. Schlaf wird sowieso total überbewertet. Jedenfalls musste wir um 10 aus-, konnten aber erst 15 Uhr wieder einchecken. Riesensystem. Also gegen 16 Uhr wieder im Hostel aufgeschlagen, neu eingecheckt. Ins neue Zimmer (juhu, 2 Stockwerke weniger). Da saß dann ein Asiate. Der hat sein Ding gemacht, kaum geredet und leise, sehr in Ordnung. Alle anderen Betten waren frei. Ronny und ich entschieden uns für jeweils das untere Bett. Seltsamerweise stand zwischen uns ein weiteres Bett im Abstand von 20cm zum jeweilig Anderen, aber hey, wenn sonst nichts zwischen uns steht...
Warum Ronny auf diesem Bild unter dem Bett sitzt? Dazu komme ich gleich.
Jedenfalls sind wir ja erstma in der Stadt beim Japaner und im Palace Theatre gewesen um gegen 23:00 in unserem Zimmer aufzuschlagen. Erfreulich war, dass vorhin genannte Italienerinnen auch das Zimmer gewechselt hatten. Sehr vorbildlich. Ansonsten war noch niemand Neues hinzugekommen. 'Sehr fein', dachte ich mir und sprang voller Elan Richtung Dusche/Bad Kombination. Springen ist sehr wohl etwas übertrieben, musste ich ja nur eine Distanz von 85cm überwinden. Aber ich freute mich schon auf die bevorstehend angenehme Nachtruhe, wie ich auch mehrfach tagsüber bereits erwähnte.
Nach ausgiebigem Gedusche riss ich die Badtür auf. Jedenfalls versuchte ich das. Ging etwas schwer. Irgendetwas hatte die Badtür blockiert. Aso, war n Reisekoffer. Klar, stellt man vor die Badtür, damit er nich im Weg steht. Naja, also schlenderte ich dann die 85cm zurück zu meinem Spind und.... hä? Wer isn das? Da sitzen doch geschätzte 108 Jahre Lebenserfahrung aufm Bett. Nicht auf meinem, nicht auf Ronnys, nein - in der Mitte. Fand ich komisch, war gleich bisschen perplex. Da dacht ich, machste dem alten Leder ma klar, dass das vielleicht ein Bisschen nah is. Ich mich also ins Bett geschmissen. Er liegt in aller Ruhe aufm Bett, Körper zu mir gedreht. Geschätzte Distanz von meinem zu seinem Gesicht: 30cm. Ich war mir jetzt nicht sicher ob er mir ne Gute-Nacht Geschichte á la 'ich bin dein Großvater' vorlesen wollte, oder es nicht gerafft hat, dass er mir n bisschen zu sehr auf die Pelle rückt. Also lag ich da erstmal, Beine zusammengekniffen, Fäuste geballt, bereit jeden Angriff abzuwehren. Als mich dann aber nach 5 Minuten ernsthafte Zweifel an meiner lang ersehnten Nachtruhe überkamen, bot ich Opi kurzerhand mein Bett an, sagte dass ich 'den Anderen' da drüben kenne und ohne Probleme zurück in den zweiten Stock umziehen könnte. Rübezahl Senior meinte dann aber in zerbrochenem Englisch, dass er sich den Kopp im Erdgeschoss von Etagenbetten immer anhaun würde. Klar, dacht ich mir, hast also schon öfter in so nem Ding geschlafen. Er ergänzte, dass er wohl sein Gepäck 'dort drüben' hatte, ihm aber jemand sein Bett weggenommen hatte. Nach 2 Minuten Bedenkzeit und die Frage ob ich wohl Italiener wäre, hatte dann auch mein Kopf die Sinnfreiheit dieser Aussage erfasst, da dass Bett 'dort drüben' ja auch ein Doppelstockbett war. Weiterhin konnte ich erkennen, das ein einzelner Zahn stolz in seinem leicht hervorstehenden, an den Seiten mit Leder überzogenen Unterkiefer prangte. Der Greis schloß das Gespräch mit der Feststellung, dass es doch wohl recht eng hier drin sei mit den Betten und so und einem Grinsen ab, was meinen Gemütszustand nicht unbedingt verbesserte. 'Gute Nacht' dachte ich so bei mir, musste aber zeitgleich einsehen, das dem wohl nicht so sein wird.
Es tat sich ein Licht auf am Horizont, als sich Tausendschön, mit Handtuch, Zahnbürste, Mundwasser und dem letzten ihm verbliebenen Zahn, bewaffnete, gen Ausgang schlenderte und mehrere Stunden fortblieb. Ich wusste, dass war meine Chance. Wenn ich die Zeit nutze um einzuschlafen, wird das wohl ne gruselige, aber ruhige Nacht. Also kurze Unterhaltung mit Italien geführt, wer das is und warum er so aussieht und dann Augen zu und durch. Es wird wohl gegen 1 Uhr gewesen sein als die Zahnfee wieder das Zimmer betrat. Was war bei Tobi los? Er dachte: "Scheiße!". Ich hatte es natürlich nicht geschafft in 1.5 Stunden einzuschlafen. Und jetzt sollte die Nacht erst losgehen, denn irgendwas schien ihn wach zu halten. Das folgende ist nicht übertrieben! Opi legte sich nach 15 Minuten Taschengeraschel ins Bett und wechselte fortan aller 20(!!!) Sekunden seine Schlafposition. 10 cm von meinem Bett enfernt. Ich konnte mit wachem Auge eine der unzähligen Schlaf, Sitz- und Knieposition im, am und um das Bett erkennen. Beine unterm Bett und Kopf auf Arm auf Bett, wie von Ronny auf dem Foto hervorragend dargestellt. Die verschiedenen Liegepositionen wurden von Altershusten, aus dem Fenster schauen, Bett verschieben, Bad benutzen, in der Tasche kramen, zum Schrank laufen, anziehen, Schrank aufschließen, Dinge einsortieren, Schrank zuschließen, ausziehen und Anderem regelmäßig unterbrochen. So kam ich in den "Genuss" eines regelmäßigen, jedoch keinesfalls hermonischen Geräuschpegels der wohl gegen 5 Uhr (ja, nach 4 Stunden) seinem Höhepunkt näher kam. Erst raschelte er gemütlich 2 Minuten lang mit einem Beutel, mit dem man das keinesfalls tun sollte, um anschließend zu duschen. Nach dem Duschen ließ er die Batür auf. Das Licht schien Ronny mehrere Minuten lang genau ins Gesicht, schien ihn allerdings nicht zu interessieren. Als der Duschvorgang abgeschlossen, ging die ganze Chose wieder von vorn los. Ich lag mit geballter Faust und voller Wut im Bett, kurz davor den Wahnsinnigen anzuschreien und niederzustrecken. In diesem Gemütszustand war es dann auch relativ schwierig für mich Nachtruhe und Puls zu finden. Anscheinend hatte Väterchen die infrarote Strahlung, ausgehend von meinem Bett, bemerkt, und bewaffnete sich wieder mit bereits genannten Gegenständen und verließ das Zimmer. Glücklicherweise habe ich ihn danach nicht wiedergesehen und konnte endlich schlafen- wenigstens noch 3 Stunden...
Das All-U-Can-Eat Frühstück für jeweils 3Pfund war allerdings in Ordnung, weil es kontinentales Frühstück gab, das heißt mit Brötchen und Wurst. Haben wir uns natürlich ordentlich den Bauch vollgeschlagen und dann im Großen und Ganzen nur noch mal was gegen 16 Uhr gegessen, weil London ja ziemlich teuer ist ;)
Routen:
Samstag

Natural History Museum, National Geographic, Stadtteil Soho, Trafalgar Square, Big Ben und Houses of Parliament, Westminster Abbey
Sonntag

Royal Albert Hall, Albert Memorial, Hyde Park, Speakers Corner, British Museum, Trafalgar Square, National Portrait Gallery, Big Ben und Houses of Parliament, Westminster Abbey
Montag

Buckingham Palace, Queen Victoria Memorial, Wellington Arch, London Eye, Southwark Cathedral, Tower Bridge, Tower, Bank of England, südlicher Stadtteil Barbican, St. Pauls Cathedral, Science Museum, Palace Theatre
Dienstag

Natural History Museum, Harrods, British Library
Zum Musical muss ich noch ein paar Worte verlieren. Ich war ja zunächst sehr skeptisch. Musical/Theater - das ist nicht dein Ding. Zumal die Preise auf den besten Plätzen 60 Pfund kosten. Glücklicherweise hatte Ronny aber einen Gutschein, 2 zum Preis für Einen, welchen wir dann allerdings doch nicht gebraucht haben, da es jede Menge Ticket Offices gibt, die nahezu halbierte Preise für die Vorstellungen haben. Also haben wir uns dann jeder die 6. Reihe im Ground Floor für je 35 Pfund gegönnt. Ganz wohl war mir nicht dabei, aber wie sich später herausstellen sollte, war es das Geld wirklich wert. Das Musical hieß Spamalot, geschrieben von Monty Pythons und enthielt auch zahlreiche Elemente aus Ritter der Kokosnuß und dem Leben des Brian. War wirklich extrem witzig und ich hab fast alles verstanden. Jederzeit wieder!
Ich hab fast ausschließlich Bilder von Gebäuden oder Ähnlichem gemacht, also werd ich es mir an dieser Stelle verkneifen noch mehr Bilder hochzuladen.